📋 Bibliografische Angaben
Wallmersbach
Ein Bauerndorf im fränkischen Gollachgau
Bildbände & Chroniken, Geschichte & Kunst29,65 €
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Beschreibung
REZENSION:
Buchbesprechung aus "Fränkische Landeszeitung" vom 19. August 1989
Geschichte eines Dorfes. Untersuchungen über Wallmersbach im Gollachgau. Wallmersbach ist ein Bauerndorf im fränkischen Gollachgau, im Uffenheimer Gai also. Es ist aberinsofern ein besonderes Dorf, als die Geschichte dieses Ortes mit wissenschaftlicher Akribie und Bienenfleiß erforscht, ja durchforscht wurde: von Marie Rienecker. Und das hat sie schon gleich nach dem Zweiten Weltkrieg getan und dann die Früchte ihrer reichen Arbeit Anno 1951 in Form eines Buches publiziert. Nunmehr ist die zweite, erweiterte Auflage erschienen, ein Werk von 529 Seiten, reich bebildert. Aus jedem Kapitel geht die Heimatliebe der Autorin hervor, die ihrem Wallmersbach zutiefstverbunden ist. Das Werk beginnt mit der Geographie und Geologie des Gollachgaues und endet mit der Bundesautobahn A 7, die im Nordosten durch die Wallmersbacher Gemarkung führt. Dazwischen liegt die Historie dieses Ortes und des Gaues, beginnend beider mittleren Steinzeit bis heute. Aber diese Historie ist beileibe keine chronologische Abfolge von geschichtlichen Epochen und Ereignissen. Im Gegenteil. Um mit der Autorin zu sprechen, hat sie ein "Bild der Heimat" vermittelt: Die zu allen Zeitenlebendige Wechselwirkung zwischen Landschaft und Mensch, zwischen Natur und Kultur. Dabei hat Marie Rienecker erstmals die Uffenheimer Gollachgautracht in Bild und Wort erforscht und dargestellt. Kurzum, es ist ein Werk, das zumindest im Gollachgau in keiner heimatverbundenen Familie fehlen sollte. kk
Buchbesprechung aus "Nürnberger Nachrichten" vom 27. Oktober 1989 Hartes Leben. Das Buch "Wallmersbach, ein Bauerndorf im fränkischen Gollachgau". Wallmersbach-Dorfchroniken werden üblicherweisevon Hobbyforschern zu Papier gebracht und fast nie gedruckt. Eine Ausnahme ist Marie Rieneckers Buch "Wallmersbach, ein Bauerndorf im fränkischen Gollachgau", das - 1951 erstmals erschienen - jetzt im Schmidt-Verlag, Neustadt/Aisch, eine erweiterteNeuauflage erlebt. Wie wenig abseits der Geschichte das fränkische Dorf lag, wird durch die Spuren der Kriege über die Jahrhunderte deutlich. Der kleine Ort bei Uffenheim mit seinen 280 bis 400 Einwohnern wurde regelmäßig von Truppen zur Rekrutierungvon Soldaten heimgesucht, öfters gebrandschatzt, immer wieder geplündert. Hautnah erlebte Wallmersbach 1234 die Fehde zwischen dem Würzburger Bischof und Gottfried von Hohenlohe oder die Auseinandersetzung mit den Rothenburgern, den Bauernkrieg (1525) oder auch den 30jährigen und Ersten Schlesischen Krieg (1742). Fast bis heute hatte der Ort zu bluten: Kurz vor Kriegsende, am 12. April 1945, bombardierten amerikanische Panzer acht Gebäude in Wallmersbach. Das unter Zuhilfenahme vieler Quellen zusammengetragene Kultur- und Geschichtsbild des echten Bauerndorfes, das urkundlich erstmals 906 erwähnt ist, enthält zahlreiche Hinweise auf die Härten des Bauernlebens. Die Abgaben hatten viele Namen: Hauptrecht oder Handlohn und Sterbehandlohn (eine Art Totensteuer), Zins oder Gült, dazu die persönlichen Dienste, die Fronen. Am drückendsten wurde der Zehnt empfunden. Ursprünglich eine kirchliche Abgabe, war dieser Eigentumstitel oft von der Kirche an Private veräußert worden. - Zeitläufte - Kein Berufsstand ist so abhängig vom Wetter wie die Bauern. Über Blitz, Donner und Hagelschlag in den Zeitläuften gibt das Buch Auskunft und versichert, da es immer wieder anormale Witterungsverhältnisse gegeben hat. Kältejahre mit 30 Minusgraden, Regensommer, die dazu führten, daß das Heu mit dem Schubkarren aus dem Wasser herausgefahren werden mußte - alles schon dagewesen. Nach den geologischen Umstrukturierungen, der Vorgeschichte und der örtlichen Besiedelungsgeschichte (durch die Franken seit 496) beschreibt Marie Rienecker die Veränderungen des Ortsbildes. Namens- und Hof-Historie werden, soweit möglich, zurückverfolgt. Manches läßt sich nur in seiner Tragweite erahnen: "Der Name eines Lehrers in Wallmersbach ist erstmals aus dem Jahre 1608 überliefert" - Vorher wird es wohl keine Schulzeit für Bauernkinder gegeben haben. Schaurig ist die Geschichte der "Uffenheimer Halsgerichtsbarkeit", an die heute noch die Äcker "am Galgenberg" erinnern. Schwere Verbrechen (1. Mord, 2. Brand,3. Raub und 4. Notzucht) wurde von dem "Blut- oder Fraisch-Gericht" durch Schwert oder Strick geahndet, sonst stand die Peitsche oder der Pranger bereit. - Martialische Strafen - Die alte Dorfordnung, 1485 aufgezeichnet, enthält keine so martialischen Strafen. In diesem interessanten Dokument über bäuerliches gewachsenes Recht, "wahrscheinlich noch ein Erbe der freien Franken", geht es um das tägliche Zusammenleben. Besonders unerwartet erscheint das Recht der vollen Redefreiheit bei der jährlich dreimal stattfindenden Gemeindeversammlung ("magel") - ausdrücklich durfte niemand etwas nachgetragen werden. Nur etwas mehr als zwei Seiten umfaßt die "Wallmersbacher Dorf- und Gemaindeordnung", wo aber auch schon für die Gesundheit Vorsorge getragen wird: Eingegangenes Vieh mußte sofort in die "Schelmgrube" (Schindergrube) entsorgt werden. In der mit vielen Fotografien versehenen Neuausgabe, die das frühere Werk an Seitenzahl verdreifacht, wird auch auf die neuere Ortsgeschichte - vom Fußballverein zur Feuerwehr - eingegangen. Interessanter erscheinen die kleinen Anmerkungen darüber, wie die Technik - das Rad 1900, der Traktor 1929, das Auto 1934 - in dem fränkischen Dorf Einzug hielt. Im heutigen Dörfchen Wallmersbach, dessen Bevölkerungszahl kaum größer ist als in den schlechtesten Zeiten, ist die Mehrzahl der Familien vom "Pendeln" betroffen und betreibt den Hof nur noch im Nebenerwerb. Die Technik ist breitspurig geworden: Ein sechsreihiger "Vollernter" tut für die Zuckerrübenanbau- Gemeinschaft seinen Dienst. Kein Wunder, daß Nostalgie die Bauern erfaßt. Die Tracht feiert fröhliche Urständ, wenn auch nicht ganz so wie beim Kirchgang. "Vorr 150 Johr, wenn d r Vadder sein Dreispitz, die Modder ihr Bänderhouwe und d Bua seiBelzkabbe aufsetzt". Klaus Speck.
Wallmersbach ist ein Bauerndorf im fränkischen Gollachgau, im Uffenheimer Gai also. Es ist aber insofern ein besonderes Dorf, als die Geschichte dieses Ortes mit wissenschaftlicher Akribie und Bienenfleiß erforscht, ja durchforscht wurde: von Marie Rienecker. Und das hat sie schon gleich nach dem Zweiten Weltkrieg getan und dann die Früchte ihrer reichen Arbeit Anno 1951 in Form eines Buches publiziert. Nunmehr ist die zweite, erweiterte Auflage erschienen, ein Werk von 529 Seiten, reich bebildert. Aus jedem Kapitel geht die Heimatliebe der Autorin hervor, die ihrem Wallmersbach zutiefst verbunden ist.
